25.07.2017, von Andreas Duschner

Sommersturm tobt über Weiden

THW Weiden übt 24 Stunden lang den Ernstfall nach einem extremen Unwetter

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Weiden (21./22.07.2017). Am Freitag wurde um 18:00 Uhr nach einer starken Unwetterfront mit Starkregenmengen von über 50 Litern pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde und Orkanböen von bis zu 120 Stundenkilometern der Katastrophenfall ausgerufen. Mit diesem Ausgansszenario wurde die 24-Stunden-Übung „Sommersturm“ des Technischen Hilfswerks (THW) in Weiden eingeläutet, welche nicht nur die Unwetterfolgen im Fokus hatte.

Straßen und Keller standen unter Wasser, Bäume stürzten um, Stromleitungen wurden gekappt und mehrere Stadtteile waren von steigendem Hochwasser bedroht, weil der Deutsche Wetterdienst noch weitere Unwetter prognostizierte. Diese Ausgangslage war Grund genug, dass der Katastrophenfall durch den Oberbürgermeister ausgerufen und der Ortsverband Weiden des Technischen Hilfswerks (THW) mit 35 Einsatzkräften alarmiert wurde. Was Gott sei Dank nur eine Übung war, sollte sich im Laufe der Nacht und des Samstages aber nicht von einem Ernstfall unterscheiden.

Der erste Einsatz führte die THW-Kräfte zum Nordwehr am Hammerweg, wo Treibgut, bestehend aus mehreren dicken Baumstämmen, das Wasser anstaute und die Hochwasserschutzanlage zu beschädigen drohte. Ferner trieben zwei Behälter mit Gefahrstoffen im Wasser. Mit einem Boot führte die Bergungsgruppe eine Erkundung durch und meldete zunächst, welche Kennzeichnung die Gefahrstoffe hatten. Nach einer Überprüfung durch den Zugtrupp konnte festgestellt werden, dass die hochgefährlichen Inhalte nicht mehr enthalten waren, weil das Hochwasser die leeren Behälter aus einem Betrieb flussaufwärts angespült hatte. Nach dieser Entwarnung wurden die Baumstämme gesichert und mittels Seilwinde an Land gezogen.

Kaum war diese Aufgabe bewältigt, wurden erneut die Funkmeldeempfänger durch die Integrierte Leitstelle (ILS) ausgelöst. Auf dem Dach des Warenverteilzentrums der Firma Witt am Brandweiher haben sich während des Sturms zwei Arbeiter schwer verletzt. Während eine Person mittels einem sogenannten „Leiterhebel“ gerettet werden konnte, musste die Zweite in einem Schleifkorb von einer Feuertreppe aus abgeseilt werden. Besonders wichtig war dabei die eigene Absturzsicherung der Einsatzkräfte, weil die Windverhältnisse in 30 Metern Höhe nicht zu unterschätzen waren. Parallel dazu wurde das Gelände großflächig ausgeleuchtet.

Viel Licht war auch beim dritten Alarm erforderlich, als ein städtischer Mitarbeiter nach Kontrollarbeiten an einem Regenrückhaltebecken als vermisst gemeldet wurde. Der Technische Zug rückte daraufhin nach Frauenricht aus, wo der Vermisste nach kurzer Zeit gefunden werden konnte – er wurde durch einen herabgefallenen Ast am Kopf getroffen und war bewusstlos. Die Rettung gestaltete sich dabei aber schwierig, weil ein Zugang nur durch das Becken hindurch möglich war und neben Wathosen entsprechende Sicherungen notwendig waren.

Weiter ging es am frühen Morgen im Betonwerk der Firma Schnurrer, wo ein Mitarbeiter als verschüttet gemeldet wurde. Die Erkundung ergab, dass dieser in einem Betonrohr eingeschlossen war und eine Rettungsöffnung geschaffen werden musste. Die Fachgruppe Räumen unter Leitung von Markus Koller setzte daraufhin den Presslufthammer des mobilen Drucklufterzeugers an. Parallel dazu schlug Falco Bauer, Gruppenführer der 1. Bergungsgruppe, Alarm: Eine Helferin war nach der Erkundung des Geländes nicht zurückgekehrt. Nach erfolgreicher Suche war klar, dass diese sich den Fuß unter einem Trümmerteil eingeklemmt hatte und durch den Einsatz von Hebekissen befreit werden musste.

Um 10:15 Uhr erklang der nächste Alarm, welcher mit der Unwetterlage aber nichts zu tun hatte: Auf dem Betriebsgelände der Firma OWS ist es zu einem Unfall zwischen einem Zug und einem PKW gekommen. Wenige Minuten später stellte THW-Zugführer Heiko Engelbrecht fest, dass es mindestens vier verletzte Personen in der Lok und im Personenwaggon gab und der Fahrer des Autos den Aufprall vermutlich nicht überlebt hatte. Die laut schreienden Zuginsassen, dargestellt von Statisten des Bayerischen Roten Kreuzes aus Weiden, erhöhten den Stresslevel deutlich. Durch die engen Türen der DieselLok und des Waggons gestaltete sich die Rettung besonders schwierig. Dennoch wurde auf den zeitintensiven Aufbau einer großen Rettungsplattform verzichtet, sodass den Helferinnen und Helfern viel Muskelkraft und behutsames Vorgehen abverlangt wurde. Noch während dieser Rettungsmaßnahmen meldete ein Mitarbeiter der OWS eine Verpuffung in einer Arbeitsgrube der Montagehalle. Ein Kollege sei schwer verletzt und der Zugang zur Grube durch den Austritt von Gas nicht möglich. Schnell mussten sich zwei THW-Trupps mit schwerem Atemschutz ausrüsten, um zum verletzten BRK-Statisten vordringen zu können. Beengte Verhältnisse und die Gefahr durch das Gas machte eine zügige Rettung erforderlich. Die parallellaufenden Einsätze erforderten auch einen erhöhten Koordinierungsbedarf durch den Zugtrupp, welchem die Einsatzleitung oblag. Nach der Rettung aller lebenden Unfallopfer musste noch die tote Person (eine Übungspuppe) fachgerecht aus dem Unfallwrack geborgen werden – eine Aufgabe, um welche Rettungskräfte leider nicht herumkommen.

Der vorletzte Übungseinsatz führte die THW-Kräfte wieder an Flutkanal. Diesmal wurde am Südwehr gemeldet, dass die Schotten zur Regulierung des Wasserstandes defekt waren und das Wasser dringend umgepumpt werden muss. Da keine externen Kräfte mit einer Hochleistungspumpe zur Verfügung standen, musste sämtliches, eigenes Pumpenmaterial verbaut werden, um zum Schluss eine Leistung von 5.000 Litern pro Minute zu erreichen. Durch die Maßnahme konnte der Pegel gehalten und damit das Übungsziel erreicht werden.

Noch während der Aufräumarbeiten folgte das große Finale der 24-Stunden-Übung. Auf einer fiktiven Gemeindeverbindungsstraße auf dem THW-Übungsgelände hat ein Erdrutsch ein Auto begraben und ein vorausfahrender LKW durch die Wucht der Mure sein Ladegut, bestehend aus Betonblöcken, verloren. Um zu den verunfallten Fahrzeugen und deren Insassen vordringen zu können, musste zunächst mit dem Radlader der Fachgruppe Räumen eine Zuwegung geschaffen werden. Anschließend wurden mit dem Kran die Betonblöcke vom Unfallauto entfernt und die eingeklemmte Person befreit. Eine weitere Gruppe rettete den verletzten und unter Schock stehenden LKW-Fahrer und übergab auch diesen dem Rettungsdienst.

Nach 24 Stunden Einsatzübungen, wenig Schlaf und enormen Anstrengungen resümierte Übungsleiter Andreas Duschner überwiegend sehr gute Leistungen und zeigte den Führungskräften das festgestellte Verbesserungspotenzial auf. Gerade eine aktive Kommunikation unter Einhaltung der Meldewege sei wichtig, um in der geforderten Zeit das Einsatzaufkommen bewältigen zu können. Ein besonderer Dank erging noch an die vier Kameradinnen und Kameraden vom THW-Ortsverband Nabburg, welche die jeweiligen Übungsszenarien mit vorbereiteten. Für eine perfekte Verpflegung sorgte THW-Köchin Hannelore Hammerl, welche von Beginn an für leckeres Essen und vor allem ausreichend Kaffee sorgte.

 

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